Zukunft des Buchmarktes

Einige Anmerkungen zum Artikel in der Stuttgarter Zeitung:

In dem Artikel werden schon viele wichtige Aspekte angesprochen.

Einer ist: Im Netz gilt bei Massenware die Formel “Je günstiger etwas ist, desto mehr kann man damit verdienen”. Niedrige Preise für eBooks, vor allem für solche, die eigentlich schon finanziert sind, werden deren Verkaufszahlen und damit auch die Gewinne erhöhen und können ein Ausweichen auf den Filesharing-Markt verhindern. Der Filesharing-Markt muss dann nicht als Gefahr gesehen werden, da sich dort dann nur noch Leute mit knappen Finanzen bedienen, an denen sowieso nichts verdient werden kann.

Der zweite wichtige Punkt, der angesprochen wird, ist die Angebotsbreite. Wenn man das, was man möchte, nicht kaufen kann, kauft man es auch nicht und schaut sich dann eben nach Alternativen um.

Ich besitze z.B. bereits als Buch die Romane der Caoba-Reihe von B. Traven. Ich wollte die jetzt auch auf meinem Kindle lesen. Ich wäre bereit gewesen, einige EURO für jedes Buch zu bezahlen, obwohl ich sie ja schon in Toter-Baum-Form besitze. Gibt es aber nicht zu kaufen. Also habe ich sie mir eben anderswo besorgt und weder Verlage noch (Erben des) Autor haben etwas daran verdient.

Interessant dabei ist, dass auch bei den Toter-Baum-Versionen der Bücher Verlag und Autor nichts verdient haben. Die hatte ich mir nämlich damals gebraucht gekauft, damals auch, weil es sie nicht offiziell zu kaufen gab (und auch aktuell nicht gibt).

Was in den letzten Jahren im Bereich der gebrauchten Bücher passiert ist, ist eine deutliche Warnung an die Verlage bezüglich dem, was mit eBooks passieren kann. Amazon hatte Amazon Marketplace eingeführt, bei dem auf der gleichen Plattform neue Bücher und gebrauchte Bücher angeboten werden. Mir ist es damals so gegangen (und andere haben mir ähnliches berichtet): Nachdem ich regelmäßig mangels des Angebots neuer Bücher die gebrauchte Variante gekauft hatte und gemerkt hatte, dass es dabei keine merklichen Nachteile gab, fing ich an, Bücher gebraucht zu kaufen, auch wenn es das Buch neu vom Verlag auf Lager gab. Ich habe meine gelesenen Bücher und die so gekauften Bücher dann auch selbst wieder über Amazon Marketplace verkauft.

Fast jeder ist so glücklich: Leser bekommen schnell, bequem und günstig die Bücher, die sie wollen. Leser können Bücher, die sie nicht mehr aufheben wollen, einfach und bequem weiterverkaufen. Die Antiquariate haben sich neue Einkünfte erschlossen. Und Amazon und die deutsche Post verdienen sich goldene Nasen.
Nur die Verlage und Autoren gehen leer aus.

Etwas ähnliches ist zu befürchten, wenn die Nachfrage nach eBooks weiter steigt und es die nachgefragten Bücher nur auf dem Filesharing-Markt in digitaler Form gibt. Deswegen müssen die Verlage jetzt richtig viel Geld investieren, möglichst viele Veröffentlichungen digital anzubieten. Dabei muss es das Interesse der großen Verlage sein, dass auch Nicht-Blockbuster schnell digital verfügbar sind, weil potenzielle Kunden sonst vollständig auf den Filesharing-Markt abwandern. Ich fände es durchaus nicht abwegig, wenn sich die Verlage jetzt zusammen tun, um gemeinsam die Entwicklung freier Software für alle Verlage zu finanzieren, die beim Erstellen von eBooks aus bestehenden Satzdaten hilft. Jeder Verlag profitiert davon, wenn auch seine Konkurrenz möglichst viele Titel möglichst schnell als eBook anbieten kann.

Wollen die Verlage / Autoren nicht zu viel Geld an Amazon verlieren, müssen sie möglichst schnell eine eigene Alternative schaffen. D.h. sie brauchen ein eigenes Portal für eBooks und eine eigene Linie von eBook-Readern, die perfekt mit diesem Portal verknüpft sind. Technisch / vom Bedienkomfort darf man dabei nicht hinter Amazon zurückfallen. Wichtig ist auch, dass es eben genau ein Portal gibt, bei dem man alle Bücher bekommt. Es müssen sich also von Anfang an möglichst viele Verlage beteiligen und die Plattform muss offen für alle (auch private) Anbieter sein.

(Jetzt mal alle Aluhüte weghören…^^) So eine Plattform sollte auch Social Networking Aspekte eingebaut haben. Das heißt, ich muss optional die Möglichkeit haben, meine gekauften eBooks (oder Teile davon) der Öffentlichkeit oder Gruppen von Freunden zugänglich zu machen. Es muss einen Mechanismus geben, Bücher weiter zu empfehlen. Eine gute Idee wären entsprechende Rabattsysteme: Wenn ich einem Freund ein Buch empfehle und der kauft es, bekommt er es einen Euro günstiger und ich einen Euro Einkaufsgutschein gutgeschrieben. (Da ist dann die Buchpreisbinding im Weg, die in Zeiten von eBooks echt keinen Sinn mehr macht)

Was im Artikel nicht genannt wird ist die Möglichkeit des Crowd Funding. Das Modell Crowd Funding funktioniert bei Büchern sicherlich recht gut. So ein Mechanismus könnte in ein gemeinsames Portal der Verlage sicher gut eingebaut werden.

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