Funkfeuer statt Buschtrommel

Ich bin nicht selbst aktiv in die Pressearbeit innerhalb der Piratenpartei involviert, aber auch von außen kann man nachvollziehen, dass in der Organisation der Pressearbeit noch Verbesserungsbedarf besteht, vor allem wenn es darum geht, den Arbeitsaufwand der Pressepiraten zu verringern, sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass die Pressearbeit auch bei wechselnden Personen trotzdem kontinuierlich weitergeführt werden kann.

Auf der Marina 2011 in Kassel dieses Wochenende wurde das Tool „Funkfeuer“ vorgestellt, das zumindest im organisatorischen Bereich die Pressearbeit unterstützen und vereinfachen soll. Ab sofort können Piraten auf allen Ebenen, die (egal ob mit ohne offizielles Amt) als Ansprechpartner für die Presse in der Piratenpartei tätig sind, Zugang zu dem System erhalten. Die Verwaltung der Zugänge sollen dabei die Pressepiraten (also im Regelfall die politischen Geschäftsführer oder Pressesprecher) der jeweils übergeordneten Gliederung übernehmen. Wenn ihr Pressepirat auf Landesebene seid, nehmt Kontakt mit Aleks A. auf, um einen Zugang zu erhalten. Seid ihr Pressepirat auf einer niedrigeren Ebene, wendet euch an den Ansprechpartner auf der jeweils höheren Ebene.

Im Folgenden werde ich kurz erklären, welche Funktionen Funkfeuer enthält und welche Probleme damit gelöst werden. Die Informationen entstammen dabei der Vorführung auf der Marina; ich selbst bin nicht bei der Entwicklung oder Administration von Funkfeuer beteiligt.

Technisches

Funkfeuer basiert auf dem Open Source System „CiviCRM“, das wiederum auf dem Content-Management-System Drupal basiert. Der Name Funkfeuer wurde explizit gewählt, um Verwechslungen mit der allgemein nur als „CiviCRM“ bezeichneten CiviCRM-Installation der Piratenpartei zu vermeiden, die zur Verwaltung der Parteimitglieder verwendet wird. Die beiden Systeme haben außer der gleichen Softwareplattform keine Verbindungen: Die Installationen laufen auf verschiedenen Servern, sie werden von unterschiedlichen Administratoren betreut, und es werden auch keine Daten zwischen den beiden Systemen ausgetauscht.

Anders als die Mitgliederverwaltung basiert Funkfeuer auf einer CiviCRM-Installation ohne eigene Erweiterungen und Anpassungen im Quellcode. Dies soll auch in Zukunft so bleiben, damit das System immer mit aktuellen Sicherheitsupdates läuft und von zukünftigen funktionellen Erweiterungen in CiviCRM sofort profitieren kann.

Nach dem technischen Vorgeplänkel nun aber zur eigentlichen Funktionalität.

Geteilte Adressbücher

Kern von Funkfeuer ist eine Datenbank von Pressekontakten. Pressekontakte sind entweder Medien (wie Zeitungen, Agenturen, Fernsehsender) oder konkrete Redakteure.  Zu jedem Kontakt können Kontaktmöglichkeiten und weitere individuelle Informationen hinterlegt werden. Ein Verzeichnis mit Pressekontakten zu führen ist eine wichtige Aufgabe jedes Presseverantwortlichen. Leider werden diese bisher überwiegend in privaten Adressbüchern oder in jeder Gliederung nach einem eigenen System geführt. Ein gemeinsames standardisiertes Verzeichnis von Pressekontakten, angereichert mit weiteren Informationen, stellt sicher, dass jeder Pressepirat immer die Informationen hat, die er zum Arbeiten braucht, vor allem, wenn er die Nachfolge eines anderen antritt, und dort, wo mehrere Pressepiraten (egal ob auf der gleichen oder mehreren Ebenen) zusammen arbeiten.

Zielen statt fluten

Journalisten und Redaktionen möchten nicht mit Pressemeldungen zugeflutet werden, die sie nicht interessieren. Passiert das in zu großem Maße, indem alle Meldungen einfach blind an alle Kontakte verschickt werden, kann es passieren, dass Mitteilungen der Piratenpartei irgendwann gar nicht mehr gelesen werden. Um dies zu verhindern, können in Funkfeuer Pressekontakte mit Labels versehen werden, die markieren, welche Themen für den Kontakt relevant sind und um welche Art von Kontakt es sich handelt. Über einfache speicherbare Suchabfragen über die Kontakte können Interessensgruppen ermittelt und dann Pressemeldungen gezielt nur an einzelne Interessensgruppen versendet werden.

Termingeschäfte

Der Versand der Pressemeldungen erfolgt dabei direkt aus Funkfeuer heraus. Kontaktdaten des jeweils korrekten Pressepiraten werden dabei automatisch angehängt. Der Versand von Pressemitteilungen lässt sich auch im Voraus planen. Funkfeuer versendet dann eine Pressemitteilung zu einem einstellbaren Termin und einer einstellbaren Uhrzeit. Offenbar spielt der Zeitpunkt des Eintreffens einer Pressemitteilung in der Redaktion eine große Rolle dabei, ob die Meldung wahrgenommen wird oder nicht. Wollte man das berücksichtigen, musste sich bisher immer jemand dazu bereit erklären, zur richtigen Zeit eine E-Mail anzustoßen. Jetzt kümmert sich Funkfeuer darum.

Rechteverwaltung

Über eine hierarchische Rechteverwaltung sieht jeder angemeldete Pressepirat immer nur die Pressekontakte in seinem Bereich und in eventuell vorhandenen untergeordneten Ebenen. Man muss also nicht befürchten, dass der informelle Pressesprecher des Stammtisches Buxtehude Zugriff auf die privaten Kontaktdaten des Spiegel-Chefredakteurs hat, die speziell nur dem Bundespressesprecher anvertraut wurden. Andererseits kann ein Pressepirat auf Landesebene oder Bezirksebene eben bei Bedarf auch auf das regionale Adressbuch auf Stammtischebene zugreifen. So kann z.B. koordiniert werden, dass nicht einzelne Redaktionen oder Redakteure von verschiedenen Gliederungen der Piratenpartei die gleiche Meldung mehrfach erhalten, weil sie  in der Datenbank mehrfach vorhanden sind.

Log- und Notizbuch

Zu jedem Pressekontakt können Informationen über die einzelnen stattgefundenen Kontakte hinterlegt werden. Es ist so möglich nachzuvollziehen, wer zuletzt mit ihm in Kontakt getreten ist, falls Rückfragen kommen. Es können auch Termine in der Zukunft notiert werden, um festzuhalten, dass man nach einer bestimmten Zeit bei einem Thema nachhaken wollte oder dass der Pressekontakt noch auf bestimmte Informationen wartet.

Wildern nicht erlaubt

Die Piratenbundespresse wird sich beim Versenden von Mitteilungen bewusst auf bundesweit agierende Agenturen und Medien beschränken. Wer also auf Landes- oder Kreisebene einen eigenen Pressekontakt einträgt, muss nicht befürchten, dass dieser mit Meldungen von der Piratenbundespresse zugespamt wird. Entsprechend sollten auch Pressepiraten auf Landesebene nicht (ohne Absprache) mit den von untergeordneten Pressepiraten eingetragenen Kontakten kommunizieren. Allerdings ist es zu empfehlen, dass lokale Presseansprechpartner anhand der Themen-Labels schauen, ob Bundespressemeldungen nicht auch lokale Kontakte interessieren könnten. Vom Technik-Team wird auch geprüft werden, ob sich so etwas nicht automatisieren lässt, also dass lokale Pressepiraten automatisch Vorschläge erhalten, bestimmte Pressemitteilungen an bestimmte Pressekontakte zu senden.

Dort, wo Pressepiraten von diesem Vorschlag abweichen und Pressemitteilungen nach unten weiter streuen, soll eine Eigenschaft „Privat“ für Pressekontakte eingeführt werden, die diese besonderen Pressekontakte dann auf jeden Fall von fremden Mailings ausnimmt.

Conclusio

Nach dem, was ich bisher von Funkfeuer gesehen habe, wird dieses Tool dabei helfen, die Arbeit von Pressepiraten auf allen Ebenen zu erleichtern und zu professionalisieren. Die eigentliche Arbeit, also die persönliche Kontaktpflege mit der Presse, kann es dabei den Pressepiraten natürlich nicht abnehmen, sondern nur unterstützen.

Weiterführendes

Funkfeuer läuft unter der URL http://presse.piratenpartei.de. Wer einen Zugang erhalten möchte, wendet sich an den Pressepiraten seiner übergeordneten Gliederung. Voraussetzung für einen Zugang ist auch das Unterschreiben einer Datenschutzerklärung, die dem übergeordneten Pressepiraten vorgelegt und dann an die Bundesgeschäftsstelle gesendet werden muss.

Eine Mailingliste für Informationsaustausch zum Tool wurde ebenfalls schon eingerichtet.

5 thoughts on “Funkfeuer statt Buschtrommel

  1. Vielen lieben Dank für die Zusammenfassung, die ich frecherweise gegutttenbergen werde als kleiner Kern der Dokumentation des Funkfeuers. Nun eine Korrektur und eine Ergänzung dazu.

    Du schreibst:
    “soll eine Eigenschaft „Privat“”

    Die Eigenschaft soll “persönlich” heißen.

    Die Mailingliste wurde schon eingerichtet:
    https://ml01.ispgateway.de/mailman/listinfo/funkfeuer_listen.piraten-thueringen.de

    Zwangsverpflichtet sind auf jeden Fall alle Nutzer des Funfeuers. Wer sonst Interesse hat ist herzlich eingeladen, da mitzumachen.

    Schönen Gruß

    Aleks

  2. Hallo Neun!

    Eine technische Frage dazu. Du schreibst:

    “Anders als die Mitgliederverwaltung basiert Funkfeuer auf einer CiviCRM-Installation ohne eigene Erweiterungen und Anpassungen im Quellcode. Dies soll auch in Zukunft so bleiben, damit das System immer mit aktuellen Sicherheitsupdates läuft und von zukünftigen funktionellen Erweiterungen in CiviCRM sofort profitieren kann.”

    Ist der Umkehrschluß legitim, daß das CiviCRM für die Mitgliederverwaltung eigene Erweiterungen und Anpassungen im Quellcode hat und daher nicht mit aktuellen Sicherheitsupdates läuft?

    Grüße,
    Sleeksorrow

  3. Ja, das CiviCRM, das die Mitgliederdaten verwaltet, ist so stark im Quelltext an eigene Bedürfnisse angepasst, dass es nicht möglich ist, automatisiert Updates einzuspielen. (Information Stand Juni 2010 von @EinfachBen)

    Das ist in diesem Fall aber nicht schlimm, da dieses System nicht aus dem Internet zu erreichen ist. Der Zugriff ist nur innerhalb eines sehr gut abgesicherten VPN möglich.

    Zugänge zu diesem VPN werden sehr restriktiv und nach strenger Einzelfallprüfung vergeben, so dass überhaupt nur berechtigte Personen (Schatzmeister, Verbandssekretäre und einzelne Beauftragte) Zugriff auf das System haben.

    Funkfeuer dagegen ist direkt aus dem Internet aufrufbar und Zugänge sollen relativ breit gestreut werden, so dass hier ein Einspielen aktueller Sicherheitsupdates sehr viel wichtiger ist.

  4. Pingback: Tradition (Jesus, Judentum und Datenschutz) – Wolfsbeeren

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