{"id":584,"date":"2013-07-13T21:03:26","date_gmt":"2013-07-13T19:03:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=584"},"modified":"2013-07-13T21:03:26","modified_gmt":"2013-07-13T19:03:26","slug":"rede-zum-csd-konstanz-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2013\/07\/rede-zum-csd-konstanz-2013\/","title":{"rendered":"Rede zum CSD Konstanz 2013"},"content":{"rendered":"<p>Diese Rede hielt ich heute w\u00e4hrend der Kundgebung beim CSD Konstanz \/ Kreuzlingen im Stadtgarten Konstanz.<\/p>\n<p>Liebe Mitmenschen,<\/p>\n<p>ich bin heute hier in Vertretung unseres Direktkandidaten zur Bundestagswahl, Andreas Bergholz, der leider aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden nicht selbst hier sein kann.<\/p>\n<p>Ich war schon auf vielen CSDs, aber noch nie hier in Konstanz. Ich finde es gut, dass hier das Unterhaltungsprogramm und politische Beitr\u00e4ge gemischt werden, das st\u00e4rkt den politischen Charakter des Christopher Street Days.<\/p>\n<p>Der Streit um die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare l\u00e4uft zur Zeit in vielen L\u00e4ndern der Erde. In Neuseeland gab es vor kurzem die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr alle, in den Vereinigten Staaten hat der Oberste Gerichtshof vor kurzem diskriminierende Gesetze f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt, im Vereinigten K\u00f6nigreich hat sogar eine konservative Regierung die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare vorangebracht, und diese wird dort voraussichtlich in 2 Tagen angenommen werden. In Deutschland wird dies leider immer noch von den konservativen Parteien blockiert.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte im Folgenden eine Argumentationsreihe analysieren und widerlegen, die Konservative gegen die \u00d6ffnung der Ehe vorbringen.<\/p>\n<p>Sie argumentieren folgenderma\u00dfen: Unsere Gesellschaft ist auf Nachwuchs angewiesen. Deswegen gibt es die Institution der Ehe, da nur dort Kinder geboren werden. Wir alle wissen aber, dass dies nicht stimmt. Kinder werden heute in allen m\u00f6glichen famili\u00e4ren Konstellationen geboren und wachsen in noch mehr verschiedenen Konstellationen auf.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist es meiner Meinung nach ziemlich respektlos, sowohl Kinder als auch die Institution Ehe darauf zu reduzieren, f\u00fcr Nachwuchs zu sorgen.<\/p>\n<p>Kinder haben als Menschen an sich einen Wert. Und auch Partnerschaften, in denen Menschen sich lieben und f\u00fcreinander Verantwortung \u00fcbernehmen, haben einen Wert an sich und Respekt verdient, unabh\u00e4ngig davon, ob daraus Kinder entstehen oder nicht.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich widersprechen sich viele Konservative auch selbst. So sagte letzte Woche der Pr\u00e4sident des Zentralrats deutscher Katholiken in einem Interview einerseits\u00a0 \u201edie Gemeinschaft von Mann und Frau [ist] einzigartig. Sie allein ist es, in der neues menschliches Leben entstehen kann [\u2026]Das ist [\u2026] die Grundlage f\u00fcr die dauerhafte Existenz einer Gesellschaft\u201c, um dann sp\u00e4ter davor zu warnen, Adoption und die M\u00f6glichkeiten der Reproduktionsmedizin wie Leihm\u00fctter oder k\u00fcnstliche Befruchtung f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Man muss diese konservativen Politiker ganz klar fragen: Wenn ihr gegen die Ehe f\u00fcr alle seid, weil Schwule und Lesben angeblich keine Kinder bekommen k\u00f6nnen und uns andererseits aber auch verbieten wollt, Kinder zu haben, wie passt das zusammen, ist das mit den Kindern dann nicht nur ein vorgeschobenes Argument?<\/p>\n<p>Die Gegner der Ehe f\u00fcr alle in Deutschland berufen sich dann auch gerne auf das Grundgesetz, in dem in Artikel 6 steht: \u201eEhe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.\u201c Man muss dann aber fragen, was meint das Grundgesetz hier, vor wem muss Ehe und Familie gesch\u00fctzt werden?<\/p>\n<p>Ich habe mir dazu die Protokolle des Parlamentarischen Rats durchgelesen, der nach dem zweiten Weltkrieg und vor Gr\u00fcndung der Bundesrepublik das Grundgesetz entwarf. In den Beratungen wird deutlich, dass die Autoren des Grundgesetzes sich nicht auf das Argument der Ehe als Grundlage zur \u201e Erhaltung und Vermehrung der Nation\u201c berufen wollten, wie es noch in der Weimarer Verfassung von 1919 hie\u00df. Stattdessen bezog man sich bei der Begr\u00fcndung von Artikel 6 auf die kurz vorher verabschiedete Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte. Dort hei\u00dft es \u201eM\u00e4nner und Frauen haben ohne jede Beschr\u00e4nkung auf Grund der Rasse, der Staatsangeh\u00f6rigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gr\u00fcnden.\u201c<\/p>\n<p>Hier geht es also darum, die Menschen davor zu sch\u00fctzen, dass der Staat verbietet, eine Ehe einzugehen. Daf\u00fcr gab es auch einen guten Grund, das wusste man besonders in Deutschland, wo zehn Jahre vorher durch die N\u00fcrnberger Rassegesetze und die sonstige Rassenpolitik der Nationalsozialisten Ehen und Familien grausam auseinandergerissen wurden. Auch in anderen L\u00e4ndern wie z.B. den USA gab es Rassegesetzen, die z.B. sogenannte Mischehen zwischen Schwarzen und Wei\u00dfen verboten.<\/p>\n<p>Wenn das Grundgesetz also vom Schutz der Ehe und Familie spricht, meint es damit einen Schutz davor, dass sich die Politik in die Familien einmischt und deren Gr\u00fcndung aufgrund diskriminierender Regeln verhindert. Heute, da Homosexualit\u00e4t nicht mehr als Perversion oder Krankheit gegei\u00dfelt wird, muss man meiner Meinung nach das Grundgesetz im Sinne seiner Autoren so auslegen, dass es verfassungswidrig ist, wenn das Gesetz Lesben und Schwulen verbietet, Familien zu gr\u00fcnden oder sie dabei benachteiligt.<\/p>\n<p>Die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1999 macht dies \u00fcbrigens noch klarer. Hier gibt es zwei getrennte Sachverhalte. In Artikel 14 hei\u00dft es \u201eDas Recht auf Ehe und Familie ist gew\u00e4hrleistet.\u201c Man muss also hier die Schweizer Politiker fragen, wieso das Recht auf Ehe nicht auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>In Artikel 41 hei\u00dft es \u201eBund und Kantone setzen sich in Erg\u00e4nzung zu pers\u00f6nlicher Verantwortung und privater Initiative daf\u00fcr ein, dass [\u2026] Familien als Gemeinschaften von Erwachsenen und Kindern gesch\u00fctzt und gef\u00f6rdert werden\u201c<\/p>\n<p>Die Schweizer Bundesverfassung erkennt also an, dass Familien nicht der klassischen Definition von Vater-Mutter-Kind entsprechen m\u00fcssen, sondern \u00fcberall dort Familie ist, wo Verantwortung f\u00fcr Kinder \u00fcbernommen wird.<\/p>\n<p>Deswegen hier ein Aufruf an alle konservativ denkenden Menschen und besonders Politiker: Es ist gut, dass ihr euch f\u00fcr den Schutz von Familien einsetzen wollt, aber erkennt bitte: Auch Mutter-Mutter-Kind, auch Vater-Vater-Kind, auch alleinerziehende V\u00e4ter und M\u00fctter mit ihren Kindern, auch Vater-Vater-Mutter-Mutter-Kind sind Familien und verdienen den gleichen Schutz.<\/p>\n<p>Vielen Dank und feiert noch sch\u00f6n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Rede hielt ich heute w\u00e4hrend der Kundgebung beim CSD Konstanz \/ Kreuzlingen im Stadtgarten Konstanz. 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