{"id":546,"date":"2012-09-20T15:32:36","date_gmt":"2012-09-20T13:32:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=546"},"modified":"2012-09-20T15:38:21","modified_gmt":"2012-09-20T13:38:21","slug":"klick-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2012\/09\/klick-mich\/","title":{"rendered":"Klick mich"},"content":{"rendered":"<p>Etwas zum Buch &#8220;Klick mich&#8221; von Julia Schramm, \u00fcber das ja gerade intensiv diskutiert wird.<\/p>\n<h3>Mate predigen, aber Cola saufen<\/h3>\n<p>Die Welt ist voller Probleme und Ungerechtigkeiten. Es gibt nun allgemein zwei Strategien, diese Probleme und Ungerechtigkeiten zu lindern oder zu beheben: Erstens durch pers\u00f6nliches Handeln und zweitens durch staatliche Regulierung.<\/p>\n<p>Probleme und Ungerechtigkeiten durch pers\u00f6nliches Handeln l\u00f6sen zu wollen, ist ein sehr hehres Ziel, es erfordert sehr viel Anstrengung und belohnt einen daf\u00fcr mit einem guten Gewissen, das bei n\u00e4herem Betrachten aber oft Selbstbetrug ist.<\/p>\n<p>Ein Lieblingssport der Deutschen ist ja das M\u00fclltrennen. Glasflaschen zu sammeln und zum Glascontainer zu bringen oder eine getrennte Sammlung von Papierm\u00fcll machen durchaus bis zu einem gewissen Grade Sinn. Aber alles, was dar\u00fcber hinausgeht, bis hin zum Aussp\u00fclen von Joghurtbechern, ist oftmals gut gemeint, aber im Ergebnis wenig sinnvoll oder teilweise sogar sch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Wollte man sein eigenes Verhalten so \u00e4ndern, dass man m\u00f6glichst keine Probleme oder Ungerechtigkeiten verst\u00e4rkt, w\u00e4re das alleine ein Vollzeitjob. Zu komplex ist die Welt und zu vielf\u00e4ltig sind die Probleme der Welt. Von vielen Problemen und Ungerechtigkeiten wissen die meisten Menschen noch nicht einmal, wie sollten sie sie also durch pers\u00f6nliches Handeln vermeiden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber steht die staatliche Regulierung, die dazu in der Lage ist, ein Problem mit allen relevanten Aspekten zu betrachten und es konsequent und effizient anzugehen. Wenn der Staat Emissionsh\u00f6chstwerte f\u00fcr Industrieanlagen festlegt, wirkt das eben besser, als wenn sich Millionen Verbraucher dauerhaft bei jeder Kaufentscheidung vorher dar\u00fcber informieren m\u00fcssen, ob der Hersteller eines Produkts vielleicht irgendwo die Umwelt vergiftet.<\/p>\n<p>Auch von einem Politiker (z.B. einem Funktion\u00e4r oder Mandatstr\u00e4ger der Piratenpartei) kann man nicht verlangen, alle vertretenen Forderungen (solange es nicht um die Art des Politikmachens an sich geht, das ist etwas anderes) auch im eigenen pers\u00f6nlichen Leben voll umzusetzen, vor allem wenn er dort auf die Schranken des Status Quo trifft.<\/p>\n<p>Die meisten Piratenpolitiker (sofern sie noch keine Abgeordneten sind), sind in Berufen t\u00e4tig, wo sie direkt oder indirekt Aktionen unterst\u00fctzen m\u00fcssen, die Programm und\/oder Geist der Piratenpartei widersprechen. Solange dabei die geltenden Gesetze nicht gebrochen werden und nichts passiert, was im Rahmen der jeweiligen T\u00e4tigkeit un\u00fcblich w\u00e4re, sehe ich da auch kein Problem.<\/p>\n<p>Beispiele sind Polizeibeamte, die Drogenkonsum verfolgen m\u00fcssen, auch wenn sie hinter unserem suchtpolitischen Programm stehen,\u00a0 Programmierer, die Code f\u00fcr DRM, Kopierschutz oder Scoring schreiben, Musiker\/Verleger, die gegen die GEMA k\u00e4mpfen und trotzdem Mitglieder bei ihr sein m\u00fcssen, damit ihnen wichtige Einnahmen nicht entgehen, usw..<\/p>\n<p>Oder eben Autorinnen, die einen Vertrag mit einem Buchverlag schlie\u00dfen. Will ein Autor mit einem Buch Geld verdienen und braucht die Unterst\u00fctzung, die ihm ein Verlag bei seiner Arbeit bietet, bleiben ihm heute in der Tat relativ wenige Alternativen. Selbst <a href=\"http:\/\/paulocoelhoblog.com\/2008\/02\/07\/paulo-coelho-why-i-pirate-my-own-books\/\">Paulo Coelho<\/a> unterschreibt entsprechende Vertr\u00e4ge mit Verlagen (auch Random House), die dann versuchen, die illegale Verbreitung seiner Werke zu unterbinden, die er selbst privat vorantreibt.<\/p>\n<h3>Ein Sturm im Wasserglas<\/h3>\n<p>Was ist nun genau mit Julias Buch passiert? Jemand unbekanntes hat eine eigene Webseite erstellt, dort auf eine Kopie des E-Books von &#8220;Klick mich&#8221; bei Dropbox verlinkt und diese Webseite in die sozialen Medien gekippt. Innerhalb weniger Stunden war der Link bei Dropbox gesperrt, was niemanden verwundern d\u00fcrfte, ist das \u00f6ffentliche Verbreiten gesch\u00fctzter Werke ja nicht das Gesch\u00e4ftsmodell von Dropbox. Jeder mit einigen Kenntnissen beim Thema Filesharing wusste, dass der Link relativ schnell gesperrt werden w\u00fcrde. Meiner Meinung nach wurde genau dies durch den Ersteller der Webseite auch gew\u00fcnscht. Wer das nun war und was damit bezweckt werden sollte, dar\u00fcber kann man nur spekulieren.<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt, den Piraten eigentlich wissen sollten: Da Privatkopien im Netz heute noch illegal sind, ist Dropbox keine geeignete Plattform, um gesch\u00fctzte Werke zu verbreiten. Daf\u00fcr gibt es andere geeignete Plattformen. Und tats\u00e4chlich konnte ich heute morgen im Selbstexperiment innerhalb von weniger als f\u00fcnf Minuten eine Kopie des eBooks von &#8220;Klick mich&#8221; \u00fcber The Pirate Bay herunterladen.<\/p>\n<p>Dass ein Link auf die Datei bei Dropbox (der genau zu diesem Zweck \u00fcberhaupt ver\u00f6ffentlicht wurde) gesperrt wurde, ist also relativ unbedeutend, da die f\u00fcr solche Zwecke etablierten Plattformen davon v\u00f6llig unber\u00fchrt bleiben.<\/p>\n<p>Weder ihr Verlag noch Julia selbst (wenn sie das denn wollte) k\u00f6nnten verhindern, dass ihr Buch \u00fcber Bittorrent-Netze geteilt wird. Und daf\u00fcr zu sorgen, dass genau dies sich nicht \u00e4ndert, dass dezentrale Tauschplattformen im Netz weiter existieren k\u00f6nnen und dem Zugriff der Rechteinhaber entzogen bleiben, vielleicht sogar mal vollst\u00e4ndig legal werden, das ist eine wichtige Aufgabe der weltweiten Piratenparteien. Piraten-Politiker m\u00fcssen sich genau daf\u00fcr einsetzen. Ob sie dabei nebenbei B\u00fccher \u00fcber traditionelle Verlage ver\u00f6ffentlichen oder nicht, ist irrelevant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwas zum Buch &#8220;Klick mich&#8221; von Julia Schramm, \u00fcber das ja gerade intensiv diskutiert wird. Mate predigen, aber Cola saufen Die Welt ist voller Probleme und Ungerechtigkeiten. 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