{"id":524,"date":"2012-08-08T18:44:32","date_gmt":"2012-08-08T16:44:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=524"},"modified":"2012-08-08T18:57:34","modified_gmt":"2012-08-08T16:57:34","slug":"wahlmodus-landesliste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2012\/08\/wahlmodus-landesliste\/","title":{"rendered":"Wahlmodus Landesliste"},"content":{"rendered":"<h1>Gedanken zum Wahlsystem bei der Aufstellungsversammlung zur Landesliste<\/h1>\n<p>Zuerst muss man feststellen, dass es kein perfektes Wahlsystem gibt. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Welches System man verwenden m\u00f6chte, h\u00e4ngt sowohl vom konkreten Kontext der Wahl ab als auch von der eigenen Priorisierung der Anforderungen.<\/p>\n<h2>A) Welche Anforderungen bestehen (IMHO)?<\/h2>\n<ol>\n<li>Einfachheit: Der W\u00e4hler soll das Wahlsystem verstehen und verstehen, wie sich seine Stimme konkret auswirkt.<\/li>\n<li>Einfache Ausz\u00e4hlung: Das Ausz\u00e4hlen sollte einfach und mit m\u00f6glichst wenig Aufwand verbunden sein.<\/li>\n<li>Nachvollziehbarkeit: Die Berechnung des Wahlergebnisses soll einfach nachvollziehbar sein.<\/li>\n<li>W\u00e4hlerwunsch abbilden: Beim Wahlsystem soll sich das Abstimmungsverhalten einer W\u00e4hlerin so auswirken, wie sie das beabsichtigt.<\/li>\n<li>Enthaltung erm\u00f6glichen: Im Speziellen soll es m\u00f6glich sein, sich zu enthalten. Eine Enthaltung ist nur dann eine richtige Enthaltung, wenn die Enthaltung so wirkt, als sei die Abstimmende nicht stimmberechtigt. Bei einer Wahl mehrerer Positionen in einem Wahlgang sollte es m\u00f6glich sein, sich bei einzelnen Bewerbern zu enthalten. In einem solchen Fall soll also eine Enthaltung zu einem Kandidaten m\u00f6glich sein, die nicht identisch mit der Ablehnung des Kandidaten ist.<\/li>\n<li>Alle ablehnen: Bei einer Wahl darf man nicht gezwungen sein, \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Bewerberin zu stimmen. Es muss auch eine M\u00f6glichkeit geben, alle Bewerber abzulehnen. (Diese Anforderung ist auch Teil unserer Landessatzung)<\/li>\n<li>Einfache Mehrheit: Ein Bewerber darf nur gew\u00e4hlt sein, wenn er unter den Abstimmenden eine klare einfache Mehrheit erhalten hat (Mehr Zustimmung als Ablehnung)<\/li>\n<li>Kein strategisches W\u00e4hlen: Die W\u00e4hlerin soll nicht dazu verleitet werden, strategisch zu w\u00e4hlen. Damit meine ich, dass ihre Stimmabgabe f\u00fcr sich genommen nicht ihren W\u00fcnschen entspricht, sie ihre W\u00fcnsche damit aber eher erreichen kann.<\/li>\n<li>Minderheiten ber\u00fccksichtigen: Es sollte m\u00f6glich sein, dass eine Kandidatin, die eine relevante Minderheitenmeinung repr\u00e4sentiert, trotzdem auf einen aussichtsreichen Listenplatz gew\u00e4hlt wird, indem die Anh\u00e4nger der Minderheitenmeinung durch Stimmenkumulation ihr Stimmgewicht auf die Kandidatin fokussieren.<\/li>\n<li>Bewerberw\u00fcnsche ber\u00fccksichtigen: Die Bewerber sollen (zumindest grob) vorgeben k\u00f6nnen, f\u00fcr welchen Bereich der Liste sie sich bewerben.<\/li>\n<li>Zeit: Die Wahl darf insgesamt nicht zu viel Zeit kosten. Das ist bei der anstehenden Aufstellung der Landesliste in Baden-W\u00fcrttemberg in Anbetracht der Menge an Bewerbern mit eines der wichtigsten Kriterien.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>B) Hier nun ein paar Gedanken, wie sich die verschiedenen m\u00f6glichen Wahlmodi in Bezug auf diese Anforderungen verhalten:<\/h2>\n<ol>\n<li>Eine Stimmabgabe gleichzeitig f\u00fcr die Bestimmung des Einzugs auf die Liste als auch f\u00fcr die Bestimmung der Reihenfolge zu verwenden, verst\u00f6\u00dft mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit gegen A8: Wenn eine Ja-Stimme f\u00fcr einen Bewerber diesen gleichzeitig auf die Liste setzt und seine Listenposition verbessert, sind die W\u00e4hler versucht, ihm ihre Ja-Stimme zu verweigern, wenn sie ihn schon auf der Liste sehen wollen, aber nicht so weit vorne.<\/li>\n<li>Wenn man zur Vermeidung dieses Problems direkt mir Kumulieren arbeitet, verst\u00f6\u00dft man gegen A7, weil aus einer Wahl mit kumulierten Stimmen keine klare einfache Mehrheit ermittelbar ist, und gegen A5 und A6, weil\u00a0 es keine differenzierten M\u00f6glichkeiten zur Enthaltung oder Ablehnung einer Kandidatin gibt.<\/li>\n<li>Blockweise Abstimmungen (in Bezug auf die Listenpl\u00e4tze) haben den Vorteil, dass die Gefahr von strategischem W\u00e4hlen abnimmt (A8). Au\u00dferdem kann die Anforderung A10 ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<li>Was noch wichtiger ist: Durch die M\u00f6glichkeit, dass sich Bewerber f\u00fcr hintere Listenpl\u00e4tze w\u00e4hrend des Ausz\u00e4hlens der vorderen Bl\u00f6cke vorstellen, kann enorm viel Zeit gespart werden. (A11)<\/li>\n<li>Der Nachteil besteht darin, dass A9 so schwer zu erf\u00fcllen ist.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Betrachtung verschiedener Wahlsysteme<\/h2>\n<h3>Mein Lieblingssystem<\/h3>\n<p>Mein Lieblingssystem l\u00e4uft in vier Schritten ab:<\/p>\n<ol>\n<li>Alle Bewerberinnen stellen sich vor.<\/li>\n<li>Die Versammlung bestimmt, wie viele Pl\u00e4tze n sie besetzen m\u00f6chte.<\/li>\n<li>Es finden Wahlg\u00e4nge statt, um die Bewerber auf die Liste zu holen. Dabei kann man f\u00fcr jede einzelne Bewerberin mit \u201eJa\u201c, \u201eNein\u201c oder \u201eEnthaltung\u201c (weder Ja noch Nein angekreuzt) stimmen. Gew\u00e4hlt sind alle Bewerber mit mehr Ja- als Nein-Stimmen. Notfalls gibt es weitere Wahlg\u00e4nge mit dem gleichen Muster, bis mindestens n Pl\u00e4tze vergeben sind. Haben mehr als n Bewerber die Liste erreicht, fallen die mit den wenigsten Ja-Stimmen im letzten Wahlgang wieder runter.<\/li>\n<li>In der folgenden Abstimmung \u00fcber die Reihenfolge der Listenpl\u00e4tze kann jede W\u00e4hlerin n Stimmen vergeben und diese auch auf die verschiedenen Bewerber kumulieren (maximal drei Stimmen pro Bewerber). Die Listenreihenfolge ergibt sich aus der Anzahl der Stimmen pro Bewerber. Bei Gleichstand finden dann noch einfache Stichwahlen statt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dieser Modus erf\u00fcllt alle meine Anforderungen au\u00dfer A10 und A11. A10 ist meiner Meinung nach am ehesten verzichtbar. Zur Not k\u00f6nnte man den Bewerbern die M\u00f6glichkeit geben, bei der Kandidatur einen Mindestplatz anzugeben. Wenn der Bewerber auf einen besseren Platz gew\u00e4hlt wird, w\u00fcrde er dann entsprechend zur\u00fcckgestellt.<\/p>\n<p><strong>Entscheidend ist aber der Versto\u00df gegen A11: Bei einer Versammlung mit weniger Bewerbern w\u00e4re dieses Verfahren sicher gut geeignet, bei den zu erwartenden \u00fcber 100 Bewerberinnen in Wernau, ist dieses Verfahren einfach zu zeitaufw\u00e4ndig, vor allem weil es keinen Parallelbetrieb von Wahlen und Bewerbervorstellungen erlaubt.<\/strong><\/p>\n<h3>Der Vorschlag der Beauftragten<\/h3>\n<p>Nachzulesen hier: <a href=\"http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/BW:Bundestagswahl_2013\/Vorschlag_LAV-Ablauf_und_Wahl\">http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/BW:Bundestagswahl_2013\/Vorschlag_LAV-Ablauf_und_Wahl<\/a><\/p>\n<p>Die Beauftragten w\u00e4hlen ein Verfahren mit einer blockweisen Wahl, wahrscheinlich den \u00dcberlegungen B3 und B4 folgend. Um das Problem B5 der nicht erf\u00fcllten Anforderung A9 zu umgehen, wird ein weiterer Wahlgang mit Stimmenkumulation als Vorauswahlrunde vorgezogen. Hier haben Gruppen mit einer Minderheitenmeinung tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit, einen von ihnen pr\u00e4ferierten Kandidaten durch Stimmenkumulation nach vorne zu bringen. Es entstehen dadurch aber mehrere Probleme:<\/p>\n<p>Erstens ist diese Vorauswahl nicht bindend. In der zweiten Runde k\u00f6nnen die so gepuschten Bewerberinnen wieder von der Mehrheit abgelehnt und auf einen hinteren Platz verwiesen werden. [Zweitens f\u00fchren die vorgegebenen Stimmzahlen (3 mal so viele wie Pl\u00e4tze zu vergeben) eben nicht zu einem Minderheitenschutz, das lie\u00dfe sich aber durch Reduktion der m\u00f6glichen Stimmen l\u00f6sen.]<\/p>\n<p>Das eigentliche Problem ist also nicht wirklich gel\u00f6st, diese Nicht-L\u00f6sung wird aber teuer erkauft.<\/p>\n<p>Zum einen kosten die zus\u00e4tzlichen Wahlg\u00e4nge sehr viel Zeit und versto\u00dfen damit gegen Anforderung 11, zum anderen wird Anforderung A8 verletzt: Wenn die gleiche Stimme sowohl zur Best\u00e4tigung des Bewerbers dient als auch zur Bestimmung der Listenreihenfolge, werden die W\u00e4hler ihre Stimme aus strategischen \u00dcberlegungen eher zur\u00fcckhalten. Das wird wiederum dazu f\u00fchren, dass bei den Abstimmungen nicht ausreichend viele Bewerber eine einfache Mehrheit erhalten und dass viele Wahlg\u00e4nge zus\u00e4tzlich abgehalten werden m\u00fcssen, also sogar noch zeitintensiver.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ein kleines Detail: Das Verh\u00e4ltnis aus Ja- und Nein-Stimmen ist kein gutes Kriterium, da hier Bewerberinnen mit vielen Enthaltungen im Vorteil sind. Stattdessen sollte die absolute Differenz der Ja- und Nein-Stimmen betrachtet werden oder einfacher noch die absolute Zahl der Ja-Stimmen.<\/p>\n<h3>Mein Vorschlag:<\/h3>\n<p>Mein Vorschlag gibt die Anforderung A9 bewusst auf, unter der Annahme dass die Anforderungen A9 und A11 bei der aktuellen Kandidatensituation nicht sinnvoll gleichzeitig erf\u00fcllbar sind. A9 ist meiner Meinung nach nur erf\u00fcllbar, wenn man die Aufnahme auf die Liste und die Bestimmung der Reihenfolge innerhalb der Liste komplett voneinander trennt, was eine blockweise Wahl der Listenpl\u00e4tze ausschlie\u00dft, was bei der Menge an zu erwartenden Kandidaten zu viel Zeit kostet.<\/p>\n<p>Das einfachste System ist eine einzelne Wahl der einzelnen Listenpl\u00e4tze. Hier kann es auch nicht zu strategischem W\u00e4hlen kommen. Deswegen schlage ich vor, die ersten zehn Listenpl\u00e4tze einzeln zu w\u00e4hlen. Bei jeder einzelnen Wahl kann man f\u00fcr jeden Kandidaten mit Ja\/Nein\/Enthaltung stimmen. Gew\u00e4hlt ist, wer mehr Zustimmung als Ablehnung und die meiste Zustimmung (absolute Zahl der Ja-Stimmen) hat. Das Ausz\u00e4hlen funktioniert sehr schnell, da es kein Kumulieren gibt. In den Ausz\u00e4hlpausen k\u00f6nnen sich jeweils die Bewerber f\u00fcr die hinteren Listenpl\u00e4tze vorstellen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Pl\u00e4tze 11-20 und 21-30 findet jeweils eine blockweise Wahl nach folgendem Schema statt:<\/p>\n<p>Auf einem Stimmzettel kann man eine Bewerberin jeweils einerseits mit Ja\/Nein\/Enthaltung bewerten, andererseits analog zum Vorschlag der Beauftragten auch Stimmen kumulierend auf die einzelnen Bewerber verteilen. Die Ergebnisliste wird nach den erhaltenen Stimmen sortiert. Gew\u00e4hlt sind die Bewerber mit den meisten Stimmen, die au\u00dferdem mehr Zustimmung als Ablehnung erfahren haben.<\/p>\n<p>Hier besteht ein geringes Risiko f\u00fcr strategisches W\u00e4hlen, durch die Trennung von Zustimmung und Priorisierung einerseits und durch die geringere Relevanz der hinteren Listenpl\u00e4tze ist dieses aber niedrig.<\/p>\n<p>Auch das ist nur ein Vorschlag, der sicherlich einige Nachteile mit sich bringt. Lasst uns dar\u00fcber diskutieren!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken zum Wahlsystem bei der Aufstellungsversammlung zur Landesliste Zuerst muss man feststellen, dass es kein perfektes Wahlsystem gibt. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. 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