{"id":500,"date":"2012-02-25T12:12:03","date_gmt":"2012-02-25T11:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=500"},"modified":"2012-02-25T12:12:03","modified_gmt":"2012-02-25T11:12:03","slug":"anti-acta-demo-am-25-02-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2012\/02\/anti-acta-demo-am-25-02-2012\/","title":{"rendered":"Anti-ACTA Demo am 25.02.2012"},"content":{"rendered":"<p>Hier der Text meiner Rede zur Anti-ACTA-Demo in Karlsruhe am 25.2.2012<\/p>\n<h3>Sharing is Caring<\/h3>\n<p>Es ist einfach klasse, dass heute wieder so viele Leute hier sind, um ihre Meinung gegen ACTA auszudr\u00fccken. Ich m\u00f6chte, dass wir alle weiter aktiv sind: Indem wir die Petition zeichnen, indem wir weiter demonstrieren, wenn notwendig und indem wir alle in unserem Bekanntenkreis weiter verbreiten, warum ACTA einfach schei\u00dfe ist.<\/p>\n<p>Ich stelle mir vor, wie das Ergebnis unserer aller Bem\u00fchungen aussieht:<\/p>\n<p>Die Lobby, die hinter ACTA steckt geht, zum Bundestag und bekommt dort die Antwort \u201eACTA ist in diesem Land nicht verf\u00fcgbar\u201c.<\/p>\n<p>Die Lobby, die hinter ACTA steckt geht, zum Europ\u00e4ischen Parlament und bekommt dort die Antwort \u201eACTA ist auf diesem Kontinent nicht verf\u00fcgbar\u201c.<\/p>\n<p>Egal wohin die Lobby, die hinter ACTA steckt, geht, sie bekommt immer die Antwort \u201eACTA ist in diesem Jahrhundert nicht verf\u00fcgbar\u201c.<\/p>\n<p>Und wir werden dort nicht hinzuf\u00fcgen \u201eDas tut uns leid\u201c, sondern wir werden sagen \u201eDas tut uns nicht leid, das ist gut so\u201c.<\/p>\n<p>Der Satz \u201eDieses Video ist in deinem Land nicht verf\u00fcgbar\u201c ist ein deutliches Beispiel daf\u00fcr, wie aktuelle Gesetzeslage schon nicht dazu passt, wie wir Menschen mit Kultur umgehen wollen. ACTA wird diese Probleme zementieren und noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ein elementarer Teil davon ist das Prinzip des Teilens. Wenn wir etwas gut finden, dann wollen wir es teilen: Mit unseren Familien, mit unseren Freunden, am liebsten mit der ganzen Welt. Deswegen sind soziale Netzwerke auch so beliebt: Man kann dort ganz einfach Informationen teilen. Bei Twitter gibt es den \u201eRetweet\u201c, bei Facebook hei\u00dft es wirklich \u201eTeilen\u201c. Auch bei Youtube hat man vor kurzem die Funktion \u201eWeitergeben\u201c in \u201eTeilen\u201c umbenannt.<\/p>\n<p>Die Leute hinter ACTA argumentieren, Teilen w\u00fcrde der Wirtschaft schaden und den Kulturschaffenden. Das ist aber nicht so. Unsere Kultur w\u00e4re ohne das Verbreiten von Ideen nicht m\u00f6glich. Kein K\u00fcnstler k\u00f6nnte etwas Neues schaffen, w\u00e4re er nicht von den Werken anderer inspiriert. Und von dem, was er im Alltag erlebt.<\/p>\n<p>Youtube ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie das Prinzip des Teilens dazu beitr\u00e4gt, dass Kultur neu entsteht und sich verbreitet. Es ist sogar ein Beispiel daf\u00fcr, wie Teilen die Voraussetzung f\u00fcr Erfolg ist. Kein Musiker kann eine Konzerthalle f\u00fcllen, ohne dass er Fans hat. Wie aber bekommt er Fans? Nur indem Leute, die bereits seine Fans sind, teilen. Indem sie Freunden die Musik geben und diese damit anfixen.<\/p>\n<p>Justin Bieber wurde erfolgreich, weil er auf Youtube illegal Lieder sang und damit Fans fand. Wenn man heute in Deutschland ein Justin Bieber Musikvideo aufruft, hei\u00dft es \u201eDieses Video ist in deinem Land leider nicht verf\u00fcgbar\u201c. Ist das nicht krank?<\/p>\n<p>Im Juni 2009 veranstalteten einige Leute hier in Karlsruhe einen tollen Event: Einen Picknick-Mob. Viele Leute trafen sich in der Kaiserstra\u00dfe, breiteten dort ihre Picknickdecke aus, fr\u00fchst\u00fcckten und hatten eine gute Zeit. Auch dort wurde geteilt. Essen wurde zwischen den Picknickdecken getauscht. Ich war einer der als Kellner verkleideten Leute, die quasi als Bittorrent-Tracker fungierten und die Tauschaktionen zwischen den Picknickern organisierten. An einigen Stellen sa\u00dfen auch Picknicker mit Gitarre und tr\u00e4llerten Lieder.<\/p>\n<p>Jemand hat ein tolles 10min\u00fctiges Video von dem Picknick gemacht und auf Youtube hochgeladen. Darauf war auch 20 Sekunden lang zu sehen, wie jemand auf Gitarre ein Lied spielt und die Leute um ihn herum den Refrain singen. Wegen dieser 20 Sekunden wurde das Video blockiert und das Youtube-Konto des Uploaders gesperrt, zusammen mit allen anderen tollen Videos, die er selbst erstellt und hochgeladen hatte.<\/p>\n<p>Die Geschichte mit dem Picknick erinnert mich an die Geschichte der Speisung der 5000 aus dem neuen Testament. Ich glaube nicht an Wunder, aber k\u00f6nnte das nicht so gewesen sein? Viele der 5000 hatten schon etwas zu essen dabei. Aber erst als einige anfingen zu teilen, machten alle mit, und am Ende war genug f\u00fcr alle da. Das illustriert, wie Teilen Mehrwert schafft. Wie es den Menschen n\u00fctzt. Und bei Brot und Fischen ist es nochmal etwas anders als bei digitalen Kopien.<\/p>\n<p>Wenn man digitale Kopien erstellt, hat niemand weniger, sondern alle haben am Ende mehr.<\/p>\n<p>Die Leute hinter ACTA sagen, Teilen sei Diebstahl. Wer etwas weitergibt, beraube damit den Urheber. Aber Teilen, Kopieren ist kein Diebstahl. Am Ende hat niemand weniger, sondern viele Leute haben mehr. Wenn etwas Diebstahl ist, dann ist es das Sperren von Youtube Videos. Der Uploader im Picknick-Beispiel hat sich so viel M\u00fche gemacht, seine Videos zu erstellen und hochzuladen. Diese sind jetzt weg. Die Teilnehmer an dem Picknick hatten mit dem Video eine tolle Erinnerung an den Event. Diese ist jetzt weg. Kopieren ist kein Diebstahl, aber Sperren ist Diebstahl, es beraubt die gesamte Gemeinschaft der Kultur, die letztlich allen Menschen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht so, dass die Kunstschaffenden am Ende weniger haben. Die Zahlen zeigen: Die Ums\u00e4tze und Gewinne der Musikindustrie und der Filmindustrie sind in den letzten Jahren gestiegen, trotz Wirtschaftskrise und trotz des Tauschens und Teilens von Musik und Filmen im Internet.<\/p>\n<p>Eine Kultur des Tauschens und Teilens, wie sie im Internet Realit\u00e4t ist, ist keine Bedrohung f\u00fcr unsere Gesellschaft, im Gegenteil, sie ist die Grundlage daf\u00fcr, dass wir auch in Zukunft weltweit eine gerechte Gesellschaft schaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ACTA atmet nicht den Geist des Tauschens und Teilens, es zementiert die Vorstellungen aus den letzten zwei Jahrhunderten, deswegen lasst uns weiter gemeinsam gegen ACTA k\u00e4mpfen, damit es dann am Ende wirklich hei\u00dft:<\/p>\n<p>ACTA ist in deinem Land nicht verf\u00fcgbar, ACTA ist auf deinem Kontinent nicht verf\u00fcgbar. ACTA ist in diesem Jahrhundert nicht verf\u00fcgbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier der Text meiner Rede zur Anti-ACTA-Demo in Karlsruhe am 25.2.2012 Sharing is Caring Es ist einfach klasse, dass heute wieder so viele Leute hier sind, um ihre Meinung gegen ACTA auszudr\u00fccken. 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