{"id":411,"date":"2011-06-02T16:15:52","date_gmt":"2011-06-02T14:15:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=411"},"modified":"2011-06-02T16:15:52","modified_gmt":"2011-06-02T14:15:52","slug":"myhumanism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2011\/06\/myhumanism\/","title":{"rendered":"Myhumanism"},"content":{"rendered":"<p>Eine Stellungsnahme zum <a href=\"http:\/\/www.mela.de\/index.php?url=archives\/1311-Notmyhumanism.html\">Blogpost von Mela<\/a>:<\/p>\n<p>Du stellst die Position falsch dar. Es ist nicht gemeint &#8220;Eigentlich finden wir es total schei\u00dfe, dass es euch gibt.&#8221; sondern &#8220;Wir finden es total schei\u00dfe (f\u00fcr euch), dass ihr Einschr\u00e4nkungen habt&#8221;.<\/p>\n<p>Zitat &#8220;Weder Singer noch die Giordano-Bruno-Stiftung h\u00e4tten dabei aber jemals \u2013 wie Markus Kurth unterstellte \u2013 behauptet, dass Krankheit und Behinderung \u201eautomatisch\u201c bedeuteten, dass die Betroffenen kein lebenswertes Leben f\u00fchren w\u00fcrden: \u201eEine solche Aussage w\u00e4re doch auch v\u00f6llig absurd! Jeder von uns kennt Menschen, die trotz schwerer Behinderungen oder Krankheiten ihr Leben nicht nur genie\u00dfen, sondern in bewundernswerter Weise meistern. An dem, was sie leisten, k\u00f6nnen sich viele \u201agesunde Menschen\u2018 ein Beispiel nehmen.\u201c&#8221;<\/p>\n<p>Es ist doch aber v\u00f6llig klar, dass es erstrebenswert ist, das Auftreten von Behinderungen zu vermeiden. Viele Behinderungen sind ja auch nicht die Folge einer erblichen Veranlagung, sondern von Unf\u00e4llen. Es ist nat\u00fcrlich sinnvoll, Vorsichtsma\u00dfnahmen zu ergreifen, um das Auftreten von solchen Unf\u00e4llen zu verhindern oder die Folgen abzumildern.<\/p>\n<p>Wenn jemand z.B. einen Unfall hatte und die Wirbels\u00e4ule dabei verletzt wurde, dann wird das \u00e4rztliche Bem\u00fchen und das Hoffen des Patienten, dass es zu keiner dauernden Querschnittsl\u00e4hmung kommt, wohl kaum als behindertenfeindlich gewertet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich habe meinen Zivildienst im Bereich der Schwerstbehindertenbetreuung durchgef\u00fchrt und dabei einen Tetraspastiker betreut. Seine Behinderung ging zur\u00fcck auf einen Sauerstoffmangel w\u00e4hrend der Geburt, der auftrat, weil Arzt und Hebamme nicht schnell genug reagierten. Der Versuch, so etwas zu verhindern, kann ja nicht als behindertenfeindlich interpretiert werden. Es ist klar, dass jedes einzelne Individuum es vorziehen w\u00fcrde, nicht von einer Behinderung betroffen zu sein.<\/p>\n<p>Im Falle einer Selektion vor der Geburt muss man klare Grenzen ziehen, was sinnvoll ist und was nicht. Wenn man beispielsweise Eltern, die wissen, dass sie die Anlagen zu einer schweren Krankheit oder Behinderung besitzen, die M\u00f6glichkeit gibt, bei der Fortpflanzung diese Krankheits- oder Behinderungsgene auszuschlie\u00dfen, so kann ich daran nichts schlechtes erkennen. Es handelt sich nicht um eine Herabw\u00fcrdigung der lebenden (oder zuk\u00fcnftig geborenen) Menschen, die von der Krankheit oder Behinderung betroffen sind, genauso wie es nicht eine Herabw\u00fcrdigung von Querschnittsgel\u00e4hmten darstellt, wenn \u00c4rzte versuchen, Querschnittsl\u00e4hmung als Folge von Unf\u00e4llen zu vermeiden.<\/p>\n<p>Sinnvoll ist hier aber nur der Einsatz in F\u00e4llen, wo es um einzelne Probleme geht, deren Auftreten im voraus bekannt ist. Ein massenweises Aussortieren oder Vorsortieren von Embryonen im Allgemeinen ist nicht sinnvoll. Viele Krankheiten oder Behinderungen lassen sich im voraus nicht eindeutig vorhersagen und ein gezieltes &#8220;Z\u00fcchten&#8221; von Menschen hat andere biologische Nachteile, die man bei von Menschen gez\u00fcchteten Pflanzen- und Tierarten deutlich sieht: Die sch\u00e4dlichen Erbmerkmale, die nicht im Fokus der Zucht liegen, werden verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Sinnvoll ist es auch, hier zwischen der Art von Krankheit oder Behinderung zu unterscheiden. Eine Krankheit oder Behinderung, die tats\u00e4chlich nur eine &#8220;Behinderung&#8221; darstellt, die durch technische oder administrative Mittel kompensiert werden kann, ist sicher anders zu bewerten als eine Krankheit oder Behinderung, die tats\u00e4chlich zu st\u00e4ndigen Schmerzen, zu einem leidvollen oder extrem kurzen Leben f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich darf eine Selektion auch nie zum Zwang werden. Wenn Eltern sich dazu entscheiden, ein Kind zu bekommen, obwohl sie wissen, dass es sicher oder mit einiger Wahrscheinlichkeit krank oder behindert sein wird, dann ist das ihr gutes Recht.<\/p>\n<p>Deswegen und weil Behinderungen eben nicht sicher vorhersagbar sind und weil Behinderungen eben auch aufgrund von Unf\u00e4llen oder Krankheiten auftreten, wird es auch in Zukunft weiterhin immer Menschen mit den unterschiedlichsten Formen von Behinderungen geben.<\/p>\n<p>Ganz unabh\u00e4ngig wie gro\u00df ihre Zahl ist, muss es immer Aufgabe der Gesellschaft sein, ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu erm\u00f6glichen. Die entsprechenden Ma\u00dfnahmen zur Herstellung von Barrierearmut sind deswegen immer notwendig. Und die GBS bekennt sich ja eindeutig dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Stellungsnahme zum Blogpost von Mela: Du stellst die Position falsch dar. 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