{"id":392,"date":"2011-05-18T17:22:36","date_gmt":"2011-05-18T15:22:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=392"},"modified":"2011-05-18T17:25:15","modified_gmt":"2011-05-18T15:25:15","slug":"kultur-kultur-und-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2011\/05\/kultur-kultur-und-kultur\/","title":{"rendered":"Kultur, Kultur und Kultur"},"content":{"rendered":"<h3>Anfrage<\/h3>\n<p>Vor einem Monat gab es ja mal wieder die Diskussion um das Tanzverbot. Leider scheinen einige Kommunen in den letzten Jahren dazu \u00fcberzugehen, dieses \u00fcber Ostern wieder strenger durchzusetzen. Eine bestimmte Kultur (christliche Traditionen) wird hier dazu verwendet, Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben zu gestalten haben.<\/p>\n<p>Besonders streng wurde das Tanzverbot dieses Jahr unter anderem in der Stadt Frankfurt umgesetzt. Ich hatte mir einen Spa\u00df erlaubt und kurz vor dem Osterwochenende folgende E-Mail an das zust\u00e4ndige Dezernat der Stadt Frankfurt geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>Date: Wed, 20 Apr 2011 16:12:06 +0200<br \/>\nFrom: Christian Schwarz &lt;***&gt;<br \/>\nTo: <a href=\"mailto:info.amt10@stadt-frankfurt.de\">info.amt10@stadt-frankfurt.de<\/a><br \/>\nSubject: Durchsetzung von Auff\u00fchrungsverboten an stillen Tagen \/ Alte Oper<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>mit Freude habe ich wahrgenommen, dass sich Herr Ordnungsdezernent Volker Stein in den letzten Tagen vehement f\u00fcr die Verteidigung der Feiertagsruhe am Karfreitag in Frankfurt einsetzt.<\/p>\n<p>Nun bin ich aber darauf aufmerksam geworden, dass auch die Alte Oper am Karfreitag diese Feiertagsregelung missachtet und eine der Unterhaltung dienende Veranstaltung durchf\u00fchrt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.alteoper.de\/php\/content_detail.php?id=196782304.0000\">http:\/\/www.alteoper.de\/php\/content_detail.php?id=196782304.0000<\/a><\/p>\n<p>Die hier stattfindende Auff\u00fchrung des Musicals &#8220;Grease&#8221; erf\u00fcllt wohl kaum die Anforderungen des Hessischen Feiertagsgesetzes, wonach auch erlaubte Veranstaltungen &#8220;auf das Wesen der Feiertage R\u00fccksicht&#8221; nehmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8220;Ein knallbunter Musical-Spa\u00df aus Petticoats und Partys, Pferdeschw\u00e4nzen und Pferdest\u00e4rken, Cadillacs und Rebellion und nat\u00fcrlich Liebe zum begeisternden Sound<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Grease &#8211; das ist reinstes Dynamit, wie hier ausgeflippte\u00a0 Teenager-Aufregung in schnelle Choreographien, pointierte Dialoge und gef\u00fchlvolle Gesangsnummern \u00fcbersetzt wird. Partys, Spa\u00df und Romantik: schnell wird klar, dass sich bis heute beides, die Sehnsucht nach und die Aufregung vor der ersten Liebe nicht ver\u00e4ndert haben!&#8221;<\/p>\n<p>Statt der Besinnung auf das Opfer, das unser Herr Jesus Christus durch seinen Tod f\u00fcr uns alle gebracht hat, werden hier Party, Rebellion und absolut unchristlicher vorehelicher Verkehr gefeiert!<\/p>\n<p>In diesem (leider englischsprachigen) christlichem Review der Verfilmung dieses Musicals wird dies besonders gut zusammengefasst:<\/p>\n<p>&#8220;On the surface this film seems like lots of fun. We leave the theater singing (and maybe dancing the \u201cHand Jive\u201d). However, hidden behind great music, we find a film that it is not exactly family viewing. We are subjected to none of the usual nudity (with the exception of a one-second mooning shot) or violence, and only mild profanity, yet the messages which oppose Christian values are clear.\u00a0 The film, aimed at teenagers, glorifies premarital sex, underage drinking and smoking. For this Christian generation, \u201cGrease\u201d may not be the word, because its values are in direct contrast to The Word.&#8221;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.christiananswers.net\/spotlight\/movies\/pre2000\/i-grease.html\"> http:\/\/www.christiananswers.net\/spotlight\/movies\/pre2000\/i-grease.html<\/a><\/p>\n<p>Allein schon die Titel der im Musical verwendeten Musikst\u00fccke weisen auf die anti-christliche Botschaft dieser Veranstaltung hin:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;You&#8217;re The One That I Want&#8221; (Es gibt nur Einen, den man begehren soll, und das ist unser Herr Jesus Christus!)<\/li>\n<li>&#8220;Grease Is The Word&#8221; (Blasphemie! Jesus ist das Wort!)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich hoffe, Sie werden mit aller Ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden H\u00e4rte gegen diese gottlose Veranstaltung am heiligen Karfreitag vorgehen und bitte um eine kurze Antwort zur Best\u00e4tigung, dass dies auch passieren wird.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Christian Schwarz<\/p><\/blockquote>\n<h3>Antwort<\/h3>\n<p>Nun ist die E-Mail bewusst so formuliert, dass relativ schnell klar werden sollte, dass es sich hier um Satire handelt und sie keinesfalls ernst genommen werden sollte. Demnach war ich auch nicht \u00fcberrascht, keine baldige Antwort zu erhalten. Man darf nun aber nicht die G\u00fcltigkeit von <a title=\"Poe's Law\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Poe%27s_law\">Poe&#8217;s Law<\/a> untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>So trudelte heute, fast einen Monat sp\u00e4ter, tats\u00e4chlich eine Antwort bei mir ein. Nun kommt die Antwort nicht vom zust\u00e4ndigen Ordnungsdezernat der Stadt Frankfurt, wo man offenbar nicht die Kritik am harten Durchgreifen zur Durchsetzung des Tanzverbots erkannte, sondern von der Alten Oper in Frankfurt. Die Antwort liest sich so:<\/p>\n<blockquote><p>Date: Wed, 18 May 2011 15:14:05 +0200<br \/>\nSubject: WG: Durchsetzung von Auff\u00fchrungsverboten an Stillen Tagen \/ Alte Oper<br \/>\nFrom: &#8220;Raven Gail&#8221; &lt;&#8230;@alteoper.de&gt;<br \/>\nCc: Lars Gramatzki &lt;&#8230;@stadt-frankfurt.de&gt;<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Schwarz,<\/p>\n<p>Ihre E-Mail wurde uns vom Dezernat f\u00fcr Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt zur Beantwortung weitergeleitet, was wir hiermit gerne tun:<\/p>\n<p>Wir\u00a0 bedauern, dass Sie an unserer Veranstaltung Grease Ansto\u00df gefunden haben.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung dient durchaus &#8211; auch &#8211; der Unterhaltung, jedoch gilt das \u00fcberwiegende Interesse dieser &#8211; wie grunds\u00e4tzlich aller Veranstaltungen in der Alten Oper &#8211; der Kunst. Die Anforderungen des Hessenrecht Rechts- und Verwaltungsvorschriften werden hiermit von der Alten Oper erf\u00fcllt:<\/p>\n<p>Unsere G\u00e4ste konnten die Stimmen, die Choreographie und den Tanz hervorragender internationaler K\u00fcnstler erleben und ein exzellent gestaltetes B\u00fchnenbild sowie fantasievolle Kost\u00fcme sichten.<\/p>\n<p>Sowohl unsere G\u00e4ste wie auch die Presse hat uns die k\u00fcnstlerische Hochwertigkeit der Produktion best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Seit Bestehen der Alten Oper finden an Karfreitagen Musicals statt, die der Unterhaltung, aber vor allem der Kunst dienen, zu dessen Pr\u00e4sentation sich die Alte Oper verpflichtet hat.<\/p>\n<p>Wir freuen uns, dass Sie sich &#8211; trotz Ihrer Abneigung \u2013 dennoch so ausf\u00fchrlich mit dem Musical besch\u00e4ftigt haben, und sind der \u00dcberzeugung, dass Sie in der Alten Oper auch viele Veranstaltungen nach Ihrem Geschmack finden k\u00f6nnen. Die Alte Oper ist \u201eein Haus f\u00fcr alle\u201c: Jeder kann aus dem vielf\u00e4ltigen Programmangebot eine Veranstaltung nach seinem Geschmack besuchen, und genauso steht es jedem frei, einer Veranstaltung fernzubleiben.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcrden uns freuen, wenn auch Sie gelegentlich Gast unseres Hauses w\u00e4ren, und verbleiben f\u00fcr heute<\/p>\n<p>mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Gail Raven<br \/>\nSekretariat\/Assistenz<br \/>\nGesch\u00e4ftsf\u00fchrung\/Verwaltung<\/p><\/blockquote>\n<h3>Bewertung: Unterschied zwischen Kultur und Kultur?<\/h3>\n<p>Traurig finde ich, dass die Alte Oper Frankfurt sich hier nicht klar mit den tats\u00e4chlich verbotenen Veranstaltungen solidarisiert und stattdessen versucht, sich davon zu distanzieren. Hier wird eine Unterscheidung zwischen &#8220;echter&#8221; Kultur und &#8220;falscher&#8221; Kultur gesehen, wo eigentlich keine ist.<\/p>\n<p>Gerade das Musical Grease dient ja ganz offensichtlich vorrangig der Unterhaltung. Was macht eine Auff\u00fchrung des Musicals in irgendeiner Art und Weise &#8220;besser&#8221; als die Disco-Veranstaltungen, die verboten wurden?<\/p>\n<p>Was ist das besondere an den Stimmen, dem Tanz und der Choreographie &#8220;hervorragender internationaler K\u00fcnstler&#8221; in der Alten Oper? Auch in Clubs und Diskotheken treten hervorragende internationale DJs und MCs auf, auch in Clubs und Diskotheken l\u00e4uft hervorragende internationale Musik, und auch dort findet man &#8220;exzellent gestaltete und phantasievolle&#8221; Dekos.<\/p>\n<p>Muss man hier wirklich zwischen Kultur und Kultur unterscheiden? Ist die Jugendclubkultur von heute weniger wert als das, was vor 50 Jahren Jugendkultur war und jetzt mit staatlicher F\u00f6rderung in \u00f6ffentlichen H\u00e4usern gespielt wird?<\/p>\n<h3>Bewertung: Verr\u00fcckte Gesetze<\/h3>\n<p>Viel trauriger finde ich aber, dass eventuell tats\u00e4chlich die M\u00f6glichkeit besteht, dass jemand bei der Stadt Frankfurt dar\u00fcber nachgedacht hat, das Musical am Karfreitag doch noch zu verhindern. Ganz abwegig ist dieser Gedanke nicht. In anderen St\u00e4dten ist so etwas <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/essen\/kultur\/Stadt-Essen-verbietet-Oper-im-Aalto-Theater-am-Karfreitag-id4477116.html\">tats\u00e4chlich passiert<\/a>&#8230;<\/p>\n<p>Wie Herr Raven korrekterweise schreibt: &#8220;genauso steht es jedem frei, einer Veranstaltung fernzubleiben&#8221;. Dieser Grundsatz sollte bei einer Neugestaltung der Feiertagsgesetze (nicht nur in Hessen) ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfrage Vor einem Monat gab es ja mal wieder die Diskussion um das Tanzverbot. Leider scheinen einige Kommunen in den letzten Jahren dazu \u00fcberzugehen, dieses \u00fcber Ostern wieder strenger durchzusetzen. 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