{"id":122,"date":"2010-07-02T16:16:25","date_gmt":"2010-07-02T14:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/?p=122"},"modified":"2010-07-02T16:16:25","modified_gmt":"2010-07-02T14:16:25","slug":"prasident-aller-deutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.neunbeere.de\/blog\/2010\/07\/prasident-aller-deutschen\/","title":{"rendered":"Pr\u00e4sident aller Deutschen?"},"content":{"rendered":"<p>Heute wurde der neue Bundespr\u00e4sident Christian Wulff\u00a0 vereidigt. Wulff will als Bundespr\u00e4sident nat\u00fcrlich Pr\u00e4sident aller Deutschen sein, in einem <a title=\"ZDF-Sendung &quot;Was nun, Herr Wulff?&quot;\" href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFde\/inhalt\/10\/0,1872,8079754,00.html\">Interview in der ZDF Sendung &#8220;Was nun&#8221;<\/a> sagte er beispielsweise, dass er mit seiner Politik &#8220;alle einbeziehen wolle&#8221; und verwies darauf, dass er als Ministerpr\u00e4sident die erste Ostdeutsche in ein westdeutsches Kabinett und die erste Muslima in ein Kabinett geholt hatte. Er sagte dort auch, es w\u00e4re seine pers\u00f6nlich St\u00e4rke &#8220;Gr\u00e4ben zu zu sch\u00fctten und Br\u00fccken zu bauen&#8221;.<\/p>\n<p>So spielte in seiner <a title=\"Antrittsrede von Christian Wulff\" href=\"http:\/\/bundespraesident.de\/-,2.664919\/Ansprache-nach-der-Vereidigung.htm\">Antrittsrede<\/a> das Thema Integration auch eine wichtige Rolle. Er forderte gleiche Bildungschancen f\u00fcr alle Menschen, unabh\u00e4ngig von ihrer ethnischen und sozialen Herkunft, und prangerte an, dass Menschen zum Teil schon aufgrund ihres Namens bei Bewerbungen benachteiligt werden. Weiterhin nannte er als gesellschaftliche Gruppen, die st\u00e4rker zusammengebracht werden m\u00fcssen:<\/p>\n<ul>\n<li>verschiedene Generationen (Jung und Alt)<\/li>\n<li>Behinderte und Nichtbehinderte<\/li>\n<li>Menschen aus Ost und West<\/li>\n<li>Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Arbeitslose<\/li>\n<li>Einheimische und Zugewanderte<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Aussagen sind sehr begr\u00fc\u00dfenswert. Man merkt aber, dass wenigstens ein wichtiger Punkt fehlt: Die Religion. Diesen Punkt sprach Wulff in seiner Rede (interessanterweise (noch) nicht in der schriftlichen Version enthalten) an, indem er sagte, die monotheistischen Weltreligionen sollten st\u00e4rker nach Gemeinsamkeiten suchen statt nach Unterschieden. Ausgegrenzt werden hier aber alle Menschen, die nicht zu einer der monotheistischen Weltreligionen geh\u00f6ren: Vor allem Agnostiker und Atheisten, aber auch Anh\u00e4nger nicht monotheistischer Glaubenssysteme wie Buddhisten, Hindu oder Neuheiden.<\/p>\n<p>Betrachten wir <a title=\"Zahlen zu Konfessionen in Deutschland in Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Religionen_in_Deutschland#Verteilung_aller_Konfessionen_in_Deutschland\">einige Zahlen<\/a>: Nur zwei Drittel der Deutschen bekennen sich noch zu einer Religion. Ein Drittel gibt an, konfessionslos zu sein. Eine Zahl, die auch immer st\u00e4rker w\u00e4chst. Mehr als ein Drittel der Deutschen sind konfessionslos. Es gibt mehr Konfessionslose als Ostdeutsche. Trotzdem werden sie in der \u00f6ffentlichen Diskussion, so auch in der Antrittsrede des Bundespr\u00e4sidenten, bewusst ignoriert.<\/p>\n<p>Es gibt mehr Buddhisten (sch\u00e4tzungsweise mindestens 250,000 aktive)\u00a0 in Deutschland als gl\u00e4ubige Juden (sch\u00e4tzungsweise nur die H\u00e4lfte der insgesamt 200,000 Menschen j\u00fcdischer Abstammung), trotzdem werden erstere in Wulffs Rede explizit ausgeklammert.<\/p>\n<p>Und auch bei den Menschen, die sich noch zu einer monotheistischen Religion bekennen, vertritt die Mehrheit \u00fcberhaupt nicht mehr die eigentlichen Glaubensinhalte.\u00a0 <a title=\"ALLBUs Studie 2002: Gottesvorstellung nach Religionszugeh\u00f6rigkeit\" href=\"http:\/\/fowid.de\/fileadmin\/datenarchiv\/Gottesvorstellung_nach_Religionszugeh_rigkeit__2002.pdf\">Nur etwa ein Viertel der Mitglieder einer evangelischen Kirche<\/a> in Deutschland glaubt an einen pers\u00f6nlichen Gott. Die anderen glauben gar nicht oder nur an eine &#8220;h\u00f6here Macht&#8221;. Ein <a title=\"Allensbach Umfrage 2002: Glaubensvorstellungen von Katholiken\" href=\"http:\/\/fowid.de\/fileadmin\/datenarchiv\/Glaubensvorstellungen_Katholiken__2002.pdf\">Viertel der Katholiken<\/a> in Deutschland glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, dass Gott die Welt erschaffen hat und an die <a title=\"Ein UML-Diagramm erkl\u00e4rt die Heilige Dreifaltigkeit\" href=\"http:\/\/www.neunbeere.de\/ExtRef\/trinity.png\">Heilige Dreifaltigkeit<\/a>.<\/p>\n<p>Dieser schwindende immer kleinere Anteil an gl\u00e4ubigen Menschen in der deutschen Bev\u00f6lkerung spiegelt sich in der bundesdeutschen Politik noch nicht wirklich wider. Der Tag der Bundespr\u00e4sidentenwahl am Mittwoch begann wie selbstverst\u00e4ndlich mit einem Gottesdienst und alle am Mittwoch und heute beteiligten Personen, ob jetzt Christian Wulff, der Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert, der Bundesratspr\u00e4sident Jens B\u00f6hrnsen oder der scheidende Pr\u00e4sident Horst K\u00f6hler, sie allen lie\u00dfen keine Gelegenheit verstreichen, sich gegenseitig und uns mehr und mehr gottlosen Deutschen Gottes Segen zu w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Christian Wulff h\u00e4tte bei seiner Antrittsrede zeigten k\u00f6nnen dass er wirklich Pr\u00e4sident aller Deutschen sein will, wenn er ganz bewusst auch die Konfessionslosen angesprochen h\u00e4tte, wie dies zum Beispiel auch der US-Pr\u00e4sident Barack Obama bei seiner Antrittsrede getan hat. Er hat es nicht getan. Christian Wulff wird als Bundespr\u00e4sident sicherlich noch viele andere Reden halten. Er hat also die M\u00f6glichkeit, dieses Vers\u00e4umnis noch nachzuholen.<\/p>\n<p>RAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wurde der neue Bundespr\u00e4sident Christian Wulff\u00a0 vereidigt. 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