Anti-ACTA Demo am 25.02.2012

Hier der Text meiner Rede zur Anti-ACTA-Demo in Karlsruhe am 25.2.2012

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Es ist einfach klasse, dass heute wieder so viele Leute hier sind, um ihre Meinung gegen ACTA auszudrücken. Ich möchte, dass wir alle weiter aktiv sind: Indem wir die Petition zeichnen, indem wir weiter demonstrieren, wenn notwendig und indem wir alle in unserem Bekanntenkreis weiter verbreiten, warum ACTA einfach scheiße ist.

Ich stelle mir vor, wie das Ergebnis unserer aller Bemühungen aussieht:

Die Lobby, die hinter ACTA steckt geht, zum Bundestag und bekommt dort die Antwort „ACTA ist in diesem Land nicht verfügbar“.

Die Lobby, die hinter ACTA steckt geht, zum Europäischen Parlament und bekommt dort die Antwort „ACTA ist auf diesem Kontinent nicht verfügbar“.

Egal wohin die Lobby, die hinter ACTA steckt, geht, sie bekommt immer die Antwort „ACTA ist in diesem Jahrhundert nicht verfügbar“.

Und wir werden dort nicht hinzufügen „Das tut uns leid“, sondern wir werden sagen „Das tut uns nicht leid, das ist gut so“.

Der Satz „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ ist ein deutliches Beispiel dafür, wie aktuelle Gesetzeslage schon nicht dazu passt, wie wir Menschen mit Kultur umgehen wollen. ACTA wird diese Probleme zementieren und noch verschärfen.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ein elementarer Teil davon ist das Prinzip des Teilens. Wenn wir etwas gut finden, dann wollen wir es teilen: Mit unseren Familien, mit unseren Freunden, am liebsten mit der ganzen Welt. Deswegen sind soziale Netzwerke auch so beliebt: Man kann dort ganz einfach Informationen teilen. Bei Twitter gibt es den „Retweet“, bei Facebook heißt es wirklich „Teilen“. Auch bei Youtube hat man vor kurzem die Funktion „Weitergeben“ in „Teilen“ umbenannt.

Die Leute hinter ACTA argumentieren, Teilen würde der Wirtschaft schaden und den Kulturschaffenden. Das ist aber nicht so. Unsere Kultur wäre ohne das Verbreiten von Ideen nicht möglich. Kein Künstler könnte etwas Neues schaffen, wäre er nicht von den Werken anderer inspiriert. Und von dem, was er im Alltag erlebt.

Youtube ist ein gutes Beispiel dafür, wie das Prinzip des Teilens dazu beiträgt, dass Kultur neu entsteht und sich verbreitet. Es ist sogar ein Beispiel dafür, wie Teilen die Voraussetzung für Erfolg ist. Kein Musiker kann eine Konzerthalle füllen, ohne dass er Fans hat. Wie aber bekommt er Fans? Nur indem Leute, die bereits seine Fans sind, teilen. Indem sie Freunden die Musik geben und diese damit anfixen.

Justin Bieber wurde erfolgreich, weil er auf Youtube illegal Lieder sang und damit Fans fand. Wenn man heute in Deutschland ein Justin Bieber Musikvideo aufruft, heißt es „Dieses Video ist in deinem Land leider nicht verfügbar“. Ist das nicht krank?

Im Juni 2009 veranstalteten einige Leute hier in Karlsruhe einen tollen Event: Einen Picknick-Mob. Viele Leute trafen sich in der Kaiserstraße, breiteten dort ihre Picknickdecke aus, frühstückten und hatten eine gute Zeit. Auch dort wurde geteilt. Essen wurde zwischen den Picknickdecken getauscht. Ich war einer der als Kellner verkleideten Leute, die quasi als Bittorrent-Tracker fungierten und die Tauschaktionen zwischen den Picknickern organisierten. An einigen Stellen saßen auch Picknicker mit Gitarre und trällerten Lieder.

Jemand hat ein tolles 10minütiges Video von dem Picknick gemacht und auf Youtube hochgeladen. Darauf war auch 20 Sekunden lang zu sehen, wie jemand auf Gitarre ein Lied spielt und die Leute um ihn herum den Refrain singen. Wegen dieser 20 Sekunden wurde das Video blockiert und das Youtube-Konto des Uploaders gesperrt, zusammen mit allen anderen tollen Videos, die er selbst erstellt und hochgeladen hatte.

Die Geschichte mit dem Picknick erinnert mich an die Geschichte der Speisung der 5000 aus dem neuen Testament. Ich glaube nicht an Wunder, aber könnte das nicht so gewesen sein? Viele der 5000 hatten schon etwas zu essen dabei. Aber erst als einige anfingen zu teilen, machten alle mit, und am Ende war genug für alle da. Das illustriert, wie Teilen Mehrwert schafft. Wie es den Menschen nützt. Und bei Brot und Fischen ist es nochmal etwas anders als bei digitalen Kopien.

Wenn man digitale Kopien erstellt, hat niemand weniger, sondern alle haben am Ende mehr.

Die Leute hinter ACTA sagen, Teilen sei Diebstahl. Wer etwas weitergibt, beraube damit den Urheber. Aber Teilen, Kopieren ist kein Diebstahl. Am Ende hat niemand weniger, sondern viele Leute haben mehr. Wenn etwas Diebstahl ist, dann ist es das Sperren von Youtube Videos. Der Uploader im Picknick-Beispiel hat sich so viel Mühe gemacht, seine Videos zu erstellen und hochzuladen. Diese sind jetzt weg. Die Teilnehmer an dem Picknick hatten mit dem Video eine tolle Erinnerung an den Event. Diese ist jetzt weg. Kopieren ist kein Diebstahl, aber Sperren ist Diebstahl, es beraubt die gesamte Gemeinschaft der Kultur, die letztlich allen Menschen gehört.

Es ist auch nicht so, dass die Kunstschaffenden am Ende weniger haben. Die Zahlen zeigen: Die Umsätze und Gewinne der Musikindustrie und der Filmindustrie sind in den letzten Jahren gestiegen, trotz Wirtschaftskrise und trotz des Tauschens und Teilens von Musik und Filmen im Internet.

Eine Kultur des Tauschens und Teilens, wie sie im Internet Realität ist, ist keine Bedrohung für unsere Gesellschaft, im Gegenteil, sie ist die Grundlage dafür, dass wir auch in Zukunft weltweit eine gerechte Gesellschaft schaffen können.

ACTA atmet nicht den Geist des Tauschens und Teilens, es zementiert die Vorstellungen aus den letzten zwei Jahrhunderten, deswegen lasst uns weiter gemeinsam gegen ACTA kämpfen, damit es dann am Ende wirklich heißt:

ACTA ist in deinem Land nicht verfügbar, ACTA ist auf deinem Kontinent nicht verfügbar. ACTA ist in diesem Jahrhundert nicht verfügbar.

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