Rauchverbot

Aufgrund des Volksentscheids am Wochenende in Bayern wird das Thema „Rauchverbote“ auch in der restlichen Republik wieder heftig diskutiert. Ich stehe bei dieser Frage auf der Seite der Verbotsbefürworter, um den Schutz der Nichtraucher vor den Folgen des Passivrauchens zu gewährleisten.

Im Folgenden werde ich schildern, wie ich persönlich von der Einführung des Rauchverbots vor 3 Jahren in Baden-Württemberg profitierte und dann ausführen, wieso Rauchverbote als staatliche Maßnahmen, die in die Freiheit der Bürger eingreifen, in diesem Fall angemessen sind.

Anekdote

Anekdoten gelten in der Wissenschaft zu Recht nicht als Beweise. Sie können aber dazu dienen, wissenschaftlich bewiesene Fakten zu illustrieren. So auch in diesem Fall: Zahlreiche Studien belegen, dass es zu gesundheitlichen Nachteilen führt, wenn Menschen (sowohl Raucher als auch Nichtraucher) in großem Maße Passivrauch ausgesetzt sind. Meine persönliche Erfahrung bestätigt dies.

Schon als Kind war ich besonders anfällig für Erkrankungen der Atemwege. Ich war mehrmals wegen einer akuten Bronchitis einige Zeit bettlägerig und hatte auch sonst sehr viel häufiger und heftiger Erkältungen als andere Kinder.

Ende 2001 litt ich erneut an einer heftigen Bronchitis, die sich über mehrere Wochen verstärkte, bis ich fast gar keine Luft mehr bekam. Mein Hausarzt, gleichzeitig Pulmologe, diagnostizierte COPD und verschrieb mir von da an die tägliche  Behandlung mit Cortison (via Inhalations-Spray). Über mehrere Jahre musste ich diese Anwendung fortsetzen. Versuche, die Cortison-Behandlung zu reduzieren oder das Versäumnis, rechtzeitig Nachschub an Spray zu besorgen, endeten immer in akuten Bronchitisschüben.

Ab Ende 2007 war damit aber Schluss. Ich bemerkte irgendwann, dass meine Sprays schon seit mehreren Tagen oder Wochen leer waren, ohne dass ich irgendwelche negativen Folgen spürte. Seitdem kann ich komplett auf Kortison verzichten.

Passenderweise war dies genau ein Viertel Jahr  nach Einführung des Rauchverbots in Baden-Württemberg. In diesem Moment fiel mir auch noch ein anderer Zusammenhang auf. Ich hatte etwa Ende 1999 damit begonnen, regelmäßig (ein oder zweimal pro Woche) ganze Nächte in Diskotheken mit Tanzen zu verbringen. Dort war ich dann natürlich auch immer die ganze Nacht Zigarettenrauch ausgesetzt. Die COPD-Problematik begann nach zwei Jahren regelmäßigen Passivrauchens in Diskotheken und endete kurz nach Ende des regelmäßigen Passivrauchens. Ich persönlich sehe da einen ganz klaren Zusammenhang.

Abwägung von Rechten

Ganz abgesehen von diesem besonderen gesundheitlichen Aspekt könnte ich mir heute auch generell nicht mehr vorstellen, mich freiwillig eine ganze Nacht in einem verrauchten Raum aufzuhalten. Es fällt mir auch schwer, mir vorzustellen, wie ich das früher überhaupt ausgehalten habe.

Die Antwort auf diese Frage ist aber klar: Die Teilnahme an solchen gesellschaftlichen Ereignissen (in meinem Fall Clubkultur) hat mir ganz besonders viel gegeben: Die Möglichkeit, andere Menschen zu treffen und sich sozial auszutauschen, die berauschende Musik, die Glückshormon ausschüttende Dauerbewegung beim Tanz, das Gemeinschaftsgefühl beim Bewegen in der anonymen Masse, aber auch das Ergötzen an den Tanzbewegungen anderer und der Stolz, wenn man merkt, wie einen andere beim Tanzen beobachten.

Man könnte nun sagen: Das ist eine Frage der Freiheit: Der  Wirt und die Gäste machen das unter sich aus. Wenn die meisten Gäste rauchen möchten oder nichts dagegen haben, muss derjenige, der Probleme mit dem Rauch hat, eben für sich entscheiden, was für ihn wichtiger: Bei dem Event dabei sein oder nicht eingeräuchert zu werden. Jemanden vor diese Wahl zu stellen, ist aber extrem unfair.

Meiner Meinung nach hat jeder das Recht auf die Möglichkeit zur Teilhabe am kulturellen Leben. Um dies sicherzustellen, gibt es z.B. auch Verpflichtungen, Zugangsmöglichkeiten für Behinderte zu schaffen. Eine rauchfreie Umgebung stellt für sehr viele Menschen genauso eine Zugangsvoraussetzung dar wie die Rampe für den Rollstuhlfahrer. So jemanden dazu zu zwingen, sich trotz seiner gesundheitlichen Situation einer verrauchten Umgebung auszusetzen, wenn er am kulturellen Leben teilhaben möchte, ist für mich nicht vertretbar.

Der Markt regelt das?

Wieso  regelt dies der Markt nicht? Wieso schafft der Markt nicht ausreichende Angebote an rauchfreien Kneipen und Diskotheken, wenn sich doch eine Mehrheit der Gäste lieber in einer rauchfreien Umgebung aufhält?

Ich gehe hier mal nicht näher auf Kneipen ein, sondern nur auf Diskotheken, da ich da eben persönliche Erfahrungen habe. Bei Restaurants hatten sich entsprechende Angebote (Nichtraucherzonen) schon vor entsprechenden gesetzlichen Regelungen etabliert.

Ein Grund, warum dies bei Diskotheken nicht klappte, liegt sicher darin, dass der Markt sehr fragmentiert ist und zwar nach Musikrichtungen bzw. Szene, die sich in der Disko aufhält. Ein Gast sucht sich eine Diskothek nicht danach aus, ob dort geraucht wird oder nicht, sondern wie ihm die Musik gefällt und wie er mit den anderen Gästen dort auskommt. Was nützt mir eine rauchfreie Diskothek, in der House gespielt wird, wenn ich mit der Musik absolut nichts anfangen kann?

Diskothekenbetreiber haben hier Quasi-Monopole, da es in einer bestimmten Gegend selten mehr als ein oder zwei Clubs gibt, die am gleichen Abend denselben Musikstil bieten. Wieso sollte so ein Monopolist auf die Bedürfnisse von Nichtrauchern Rücksicht nehmen, wenn diese ja trotzdem kommen (Was sollen sie auch sonst machen?) und man mit dem Verkauf von Zigaretten und der Werbung der Tabakkonzerne in der Diskothek gutes Geld verdienen kann?

Vorbild Bayern?

Das besonders strenge Rauchverbot, das in Bayern durch die Volksabstimmung beschlossen wurde, löst einige Probleme, die es vorher gab. Es geht in einigen Punkten aber selbst in meinen Augen zu weit.

Die Bedürfnisse von Angestellten wurden bisher bei der Ausgestaltung von Rauchverboten in den Bundesländern nicht ausreichend berücksichtigt. In vielen Bundesländern gelten Rauchverbote nicht überall dort, wo Angestellte arbeiten. Diese können sich ja aber noch viel weniger als der Gast aussuchen, ob sie sich dem Rauch aussetzen möchten oder nicht. Nach der neuen Regelung in Bayern ist das Rauchen nun garantiert überall verboten, wo Angestellte arbeiten.

Das bisherige Rauchverbot sah  Ausnahmen für Festzelte vor. Als Festzelte gelten dabei nicht nur tatsächliche Zelte, sondern auch Hallen, die für kurze Zeit für Veranstaltungen verwendet werden. Neben den Angestellten, die dort arbeiten müssen, ist dies vor allem problematisch, da bei solchen Veranstaltungen teilweise auch Kinder zugelassen sind. Ich kann mich noch gut an regelmäßige Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern oder sonstige Feiern lokaler Vereine in meiner Kindheit erinnern, zu denen mich meine Eltern mitgenommen haben. Die Hallen waren immer extrem verraucht. Wenn bei der Weihnachtsfeier des SPD-Ortsvereins oder des Sportvereins der Nikolaus kam und die Kinder beschenkte, standen diese auf der Bühne immer in eine Wolke Tabakrauch gehüllt.

Das neue Rauchverbot in Bayern sieht keine Ausnahmen für reine Rauchernebenräume vor, die als separate Nebenzimmer keinem anderen Zweck dienen und wo es auch keine Bewirtung gibt. In einigen der Clubs, in denen ich öfter verkehre, gibt es solche separaten Raucherräume, und weder Angestellte noch andere Gäste werden dadurch Tabakrauch ausgesetzt. Ich sehe keinen vernünftigen Grund, diese Möglichkeit auszuschließen.

5 thoughts on “Rauchverbot

  1. Das BVerfG hat Nebenzimmer nur verboten, wenn sie zu Wettbewerbsverzerrungen führen.

    Eine Regelung wie in Rlpf ist demnach möglich. Dort können kleine Betriebe selbst wählen, ob sie rauchfrei sind oder nicht. Das ist dann natürlich schlecht für den Schutz des dort arbeitenden Personals.

    Die von mir angesprochene Regelung mit Nebenzimmern, die nicht bewirtet sind, wäre sehr wahrscheinlich nicht wettbewerswidrig, weil der als Raucherzimmer genutzte Nebenraum nicht als Teil des Lokals gesehen werden kann, wenn dort keine Essen und Getränke ausgegeben und auch nicht konsumiert werden.

  2. Full ACK.
    Ich bin selbst Exraucher und muß sagen, dass die Definition des Rechts auf Rauch, die ich damals ebenfalls propagiert habe, einfach falsch ist. Raucher beschneiden durch ihr Tun die Gesundheit und Rechte anderer (u.a. das Recht auf körperliche Unversehrtheit, siehe Gesundheit).
    Schön und umfassend geschrieben! 🙂

  3. Wer sich in einer verauchten Kneipe nicht aufhalten möchte, der soll es sein lassen! Das überqueren von Straßen wird auch nicht verboten obwohl hier eindeutig mehr menschen gefärdet werden. Menschen sind in erster linie für sich selbst verantwortlich in einem freien Land!
    Ob geraucht wird oder nicht entscheidet der Wirt und nicht die Regierung oder reaktionäre Sandalenträger!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *